Birgit Marschall

Birgit Marschall

Korrespondentin Wirtschafts- und Finanzpolitik, Rheinische Post



Umgang mit Medien in Krisensituationen



Frau Marschall, Krisensituationen entstehen meist unverhofft.Wie sieht der typische Krisenverlauf aus und wann werden Journalisten hellhörig?
Ein externes Ereignis (Beispiel Atomunfall), eine Enthüllung (Beispiel Spendenaffäre NRW), ein unbedachtes Statement ("Peanuts" von Herrn Hilmar Kopper, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank) tauchen auf und innerhalb weniger Stunden ist die Krise da. Sie schwelt dann meist einige Tage bzw. Wochen. Selten bleiben Konsequenzen aus, oft gibt es am Ende Rücktritte. Journalisten werden umso hellhöriger je eindeutiger und verständlicher der kritische Sachverhalt für die Öffentlichkeit ist. Komplizierte Zusammenhänge taugen selten zum Skandal. Wann es zur Krise kommt, ist schwer vorherzusagen: Oft bleibt die öffentliche Reaktion erstaunlicherweise aus, obwohl ein grober Fehler passiert ist.



Können Kommunikationsstrategen zur Lösung von Krisen beitragen?
Natürlich. Jedes größere Unternehmen und jede größere öffentliche Einrichtung sollte zumindest während des Krisenverlaufs über Kommunikationsstrategen verfügen. Falls sie extern hinzugezogen werden, sollten sie sehr früh engagiert werden und bis zum Ende der Krise an Bord bleiben.



Inwieweit müssen Kommunikationsbeauftragte ihre Strategien den sich ständig verändernden Medien anpassen?
Durch Internet und Fernsehen werden Nachrichten rasend schnell in aller Welt verbreitet. Dem muss sich das Krisenmanagement anpassen: Es gilt, jederzeit auf der Höhe der Nachrichtenlage zu sein und diese mit gezielten Aktionen zu beeinflussen.



Wo liegen gegebenfalls Grenzen medialer Berichterstattung in Krisensituationen?
Ehrlich gesagt, kann ich in der täglichen Praxis keine Grenzen der medialen Berichterstattung in Krisen erkennen. Gesamtgesellschaftliche Verantwortung tragen zwar auch die Journalisten, wie aktuell das Beispiel Griechenland-Krise zeigt. Doch für einen persönlichen Scoop vergessen Journalisten oft jedes gesellschaftliche Verantwortungsgefühl.



Hat der unternehmerische Wille zur Transparenz während einer Krisensituation Einfluss auf die journalistische Berichterstattung?
Je offener ein Unternehmen mit der Krise von Anfang an umgeht, desto gnädiger werden die Journalisten reagieren und desto schneller dürfte die Krise vorüberziehen. Häufig müssen wir aber feststellen, dass der unternehmerische Wille zur Transparenz gerade zu Beginn einer Krise überhaupt nicht vorhanden ist.



 

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